Der DVP-Kongress 2026 brachte die Bau- und Immobilienwirtschaft im Hamburger Empire Riverside Hotel zusammen.
Mit einem neuen Veranstaltungsformat, lebhaften Debatten und einem starken Fokus auf die Zukunft des Projektmanagements wurde deutlich: Die Herausforderungen der Branche liegen weniger im Mangel an Lösungen als in deren konsequenter Umsetzung.
Kongress 2026: Keine Tische, neue Frische
Das ist gelungene Modellpflege: Der Jahreskongress 2026 des DVP e. V. hat in Hamburg diesmal auf Parlamentsbestuhlung verzichtet – und dafür in einem lichtdurchfluteten, aber geschlossenen Saal zu einer neuen, intensiveren Form gefunden. Auch auf die Themensessions wurde zugunsten eines durchgängigen gemeinsamen Rahmens diesmal verzichtet. Ein weiterer Katalysator für die deutlich gestiegene Debattierfreude des Plenums im Empire Riverside Hotel war das Moderatorenduo. Es kam aus den eigenen Reihen und verband Charme und Schlagfertigkeit mit fachlicher Expertise und passendem Zungenschlag.
DVP-Vorstandsvorsitzender Erik Bangert und sein Vorstandskollege Robert Elixmann verwandelten ihr Lampenfieber entschlossen in eine offensichtlich aktivierende Ansprache. Damit durchbrachen sie das auf Kongressen nicht nur in unserer Brache verbreitete Sender-Empfänger-Schema. Denn es kam von Anfang an etwas zurück aus den Gästereihen. Die zeigten damit auch, dass das entspannte Get-together am Vorabend im Parkcafé des legendären Erholungsparks Planten und Blomen nicht nur blendend verträglich war: Es ließ offensichtlich auch Gedanken und Ideen aufblühen.
Diese lebhafte Anteilnahme begann bereits nach dem Start Erik Bangerts mit dessen Keynote. Die war offensiv, dank eines Thesenpapiers, das der Vorstand in den vorangegangenen Wochen gemeinsam formuliert hatte. Acht Thesen, die den gesamten Verband dabei unterstützen sollen, in wirtschaftlich volatilen Zeiten eine klare Rolle einzunehmen – und zugleich verstärkt auf ein Profil des Berufsbildes Projektmanagement hinzuarbeiten, dass noch mehr messbaren Mehrwert für Mitglieder wie Kundenkreis schafft. Dabei geht der Vorstand davon aus, was Projekte essenziell benötigen: Sie brauchen Projektmanagementkompetenzen, Führungsverantwortung, Fokus auf die maßgeblichen Projektziele, eine partnerschaftliche Haltung, aber zugleich auch klare Kommunikation, Digitalisierung und die passenden Abwicklungsmodelle – und das alles fixiert in fairen Verträgen.
Dass die Schnellumfrage per Handy zunächst widerspiegelte, dass Digitalisierung nur für knapp dreizehn Prozent der Teilnehmenden ein drängendes Thema ist – am Ende nur eine Momentaufnahme. Denn diese Wahrnehmung sollte sich im Kongressverlauf noch massiv wandeln. Dafür sorgten auch thematisch die Schlaglichter, die die acht Kongresspräsentationen auf Anspruch und Wirklichkeit in der Branche warfen.
Gleich als zweite Vortragende warben Jonas Kampik und Marcel Dumeier von Accenture Dienstleistungen GmbH für Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) auch im Reich der Bagger und Baupläne. Dabei erinnerten sie – insbesondere in Zusammenhang mit der Digitalisierung – daran, dass die Produktivitätssteigerung in der Baubranche, gemessen an maßgeblichen anderen Sektoren, eher mau ist: Bescheidene 0,4 Prozent im Vergleich zu zwei Prozent in der Weltwirtschaft und sogar drei Prozent speziell in der verarbeitenden Industrie. Dabei sei nicht alles an dieser Produktivitätsdiskrepanz branchenbedingt. Genau hier setzte der Beitrag an. Er schlüsselte zunächst verschiedene Anwendungstypen von KI. Dann diagnostizierte er, wo die besten Chancen für wirklichen effizienten KI-Einsatz in der Branche stecken: „Qualifizierte Kapazitäten, Terminplanung & Bauüberwachungen sind die hot spots“.
Das Building Information Modeling (BIM) ist nun schon länger in der Branche bekannt. Es ist noch längst nicht verankert und schon leuchtet mit KI ein neuer Stern am Technikhimmel. Grund genug für Andreas Bach von der Schüßler-Plan Digital GmbH, sich zu fragen, ob das eine logische Weiterentwicklung oder nur der nächste Hype in Zeiten rasanter technischer Entwicklung ist. Die Antwort fiel deutlich aus: Die KI bietet auch für die Branche einen Mehrwert, der aufgabenübergreifend ist. Dabei richtete sich der Fokus des Vortrags auch darauf, Fachkräfte von Nebenarbeiten zu entlasten, welche die Kernkompetenzen allzu oft überlagern. Zitat: „Ingenieure verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit der Suche nach Informationen. Bei vier Mitarbeitenden ist einer ausschließlich mit der Suche nach Inhalten beschäftigt.“
Doch BIM lebt dennoch, darin sind sich Carina Pfrommer (Thost Projektmanagement GmbH und Philipp Kugler (Turner & Townsend GmbH) gemeinsam sicher. Sie brachen eine digitale Lanze für BIM – und erinnerten in ihrer Präsentation „BIM – vom Buzzword zum Benefit“ daran, dass gelegentliche Ernüchterung und überfrachtete Erwartungen weniger aus der Branche, sondern vielmehr aus der großen Politik in der Presse lanciert worden seien. So habe sich der Eindruck von BIM als Buzzword, dem inhaltsarmen Schlagwort, in manchen Köpfen festsetzen können. Ihre Analyse der Realität fällt anders aus. Sie zitierten unter anderem den BIM Monitor der BauInfoConsult: Demnach fielen 57 Prozent weniger Fehlerkosten bei Projekten an, betrachtet als relative Reduktion bei BIM-Anwenderinnen und -Anwendern gegenüber konventionellen Lösungen.
Leistungsbilder allein reichen nicht, dass ein Projekt wie im Fluss läuft. Charlotte Baumann-Lotz, Organisationsberaterin für Ingenieurbüros in Bauplanung und Projektmanagement, nahm in ihrer Präsentation die Dinge ins Visier, die Abläufe stocken lassen. Und, noch viel wichtiger: Sie holte damit die Faktoren ans Licht, die jenseits der Leistungsbilder Projekte ganz real steuern. Und warb unter anderem dafür, sich dafür zu qualifizieren, Kommunikationssysteme und stereotype Dynamiken als solche erkennen und vor Entscheidungen Betroffenheiten für sich und andere sichtbar machen zu können.
Auch wenn manches neu an diesem Kongress war: Die thematische Referenz an die gastgebende Stadt war auch diesmal im Programm zu finden. Das Thema allerdings hätte sich auch ohne jeden Lokalbezug angeboten: Ging es doch um das deutschlandweit derzeit wohl größte Verkehrsinfrastrukturvorhaben: Die neue Hamburger Untergrundbahnlinie 5 (U5). Sie wird nicht nur die ganze Stadt neu miteinander verknüpfen, sondern auch die Art, sich in der Hansestadt an der Elbe zu bewegen, verändern. Und damit Einfluss auf Lebensstile und -umfelder der Menschen nehmen und sie so auf lange Sicht in Richtung zu noch mehr Lebensqualität verändern. Petra Welge und David Claus von der – eigens dafür ausgegründeten – Hochbahn U5 Projekt GmbH gaben Einblicke in die multidimensionale Qualität und Quantität des Projektmanagements für diese Jahrhundertbaustelle: insbesondere unter dem Aspekt von Kommunikation und Stakeholdermanagement.
Wer den riesigen Anforderungskatalog dieses Verkehrsprojekts verinnerlicht hatte, war nicht mehr schwer zu gewinnen für einen Appell, KI endlich die Tür im eigenen Unternehmen zu öffnen – aber bitte mit präzisen Anwendungsmöglichkeiten. Denn darauf legte Krystian Szmagaj von der BSG Bau-Service GmbH in seiner Präsentation den Wert. Seine Quintessenz: KI im Projektmanagement-Alltag ist kein „nice-to-have“. Kein einzelnes nettes Tool, was einem beim Formulieren hilft. Szmagaj deklariert KI als kompletten Arbeitskulturwandel und belegt dies an Praxisbeispielen. Für ihn besonders wichtig: Es ist noch nicht zu spät, KI im Unternehmen einzuflechten: nicht als modernen Zierrat, sondern als alltagsverändernde Wirkmacht. Ein Appell, der viele Kongressgäste erst nachdenklich stimmte – und dann deren Tatendurst weckte, diesen Wandel hinter der eigenen Bürotür einzuleiten.
Auch wenn er das Finale bestritt: Mit trockenem Wortwitz und profundem Wissen hielt Co-Moderator Robert Elixmann auch kurz vor Kongressschluss die Sitzreihen ziemlich fest geschlossen. Das Thema tat ein Übriges: Ging es doch um gefährliche Haftungsfallen, in die Berufskolleginnen und -kollegen tappen, die sich bei unpassender Gelegenheit, im falschen Zusammenhang und unter falschen Voraussetzungen juristisch gegenüber Kundschaft oder Kooperationspartnerinnen und -partnern äußern. Elixmann erinnerte an ein gerichtliches Urteil, wonach Architekturbüros gefährlich enge Berührungspunkte zu eigentlichen Rechtsdienstleistungen aufwiesen. Seine kommentierende Einschätzung dazu: Die Projektsteuerung, so Elixmann, betreffe das in noch viel höherem Maße.
Mit einer interaktiven Fallbefragung verschaffte er sich beim Publikum nicht nur Aufmerksamkeit bis zum Kongressausklang. Sondern er schärfte erneut das Bewusstsein dafür, wann bei Kundenangelegenheiten das Projektmanagement besser Juristinnen und Juristen den Vortritt lässt.
Das Fazit des Tages: Selten hat ein DVP-Kongress zu so viel Meinungs- und Faktenaustausch inspiriert wie dieser. Und genau das war und ist das Ziel – Lessons Learned!




