Das war die DVP-Tagung 2025

Die DVP-Tagung 2025 brachte die Bauwirtschaft am 7. November im dbb forum Berlin zusammen. In einem Jahr, in dem die Branche zwischen vorläufiger Haushaltsführung, Sondervermögen, Investitionsdruck und immer komplexeren Rahmenbedingungen navigiert, wurde deutlich: Sie ringt weniger mit technischen Grenzen als mit organisatorischen.

Blick auf die Branche

Zum Auftakt sprach Prof. Dr.-Ing. Matthias Jacob über das „verlorene Baujahr 2025“. Der Auftragsmangel durch die vorläufige Haushaltsführung, der zwischenzeitliche Vergabestopp der Autobahn GmbH und der politisch zunehmend dehnbare Begriff der „Zusätzlichkeit“ des Sondervermögens prägten den Ton. Jacobs Kernbotschaft: Investitionsmittel müssen auf der Straße ankommen, nicht im Haushalt verpuffen.

Heidi Götz (Regierungspräsidium Freiburg) führte anschließend durch die lange Reise eines Infrastrukturprojekts, vom Auftrag durch den Bundestag bis zur Verkehrsfreigabe. Ihr Vortrag war eine nüchterne, aber klärende Bestandsaufnahme: Auch wenn ständig neue Beschleunigungsmaßnahmen erdacht werden, führen verkürzte Instanzen, neue Priorisierungsinstrumente oder strukturelle Reformen selten zu echten Zeitgewinnen. Vieles davon sei sogar kontraproduktiv.

DVP-Inside: Aus dem Verband

Im internen Programmpunkt wurde es persönlich: Nach neun Jahren im Vorstand wurde Remus Grolle-Hüging als 1. Vorsitzender des Vorstands verabschiedet. Geschäftsführerin Sonja Buchholz zeichnete ein sehr menschliches Bild seiner Amtszeit, seines Engagements und seiner Handschrift im Verband. Ebenfalls verabschiedet wurde Vorstandsmitglied Nadine Sibel Ük, deren Beitrag der zweite 1. Vorsitzende Erik Bangert würdigte. Sie bleibt dem Verband als Rechnungsprüferin und Dozentin erhalten.

Anschließend stellte Erik Bangert den neuen Vorstand vor. Mit Dr. Philipp Lüttke und Andree Meyer rücken zwei Personen nach, die bereits aus dem Weiterbildungsprogramm bekannt sind und frische Impulse in die Arbeit des Verbandes einbringen werden. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit! Im Amt bestätigt wurden Heike Bals (neue stellvertretende Vorsitzende), Erik Bangert (1. Vorsitzender), Dr. Robert Elixmann und Prof. Dr. Mike Gralla.

Einen inhaltlichen Akzent setzten außerdem Christian John und Alexander Schurr aus der DVP-Fachgruppe Lean Project Management. Sie gaben Einblicke in die Arbeit der Fachgruppe, erläuterten zentrale Lean-Prinzipien und stellten ihre kommende Publikation vor, die 2026 erscheinen wird.

Perspektiven aus der Praxis: Schulbau, Autobahnen, Bundesbau, Bahn

Im weiteren Verlauf zeigten die Beiträge, wie unterschiedlich die organisatorischen Herausforderungen in großen öffentlichen Bau- und Infrastrukturprojekten sind.

Tim Steffen (Hitzler Ingenieure) gab Einblick in die Projektsteuerung in Schulbauoffensiven. Serienvorhaben wie in München oder Frankfurt, so seine Analyse, sind strategische Stadtentwicklungsinstrumente mit eigenen Logiken, weit entfernt von klassischen Einzelprojekten. Über Jahre hinweg Qualität, Zeit und Kosten zu halten, sei ein organisatorischer Kraftakt, der nur mit klaren Strukturen und lernfähigen Prozessen gelingt.

Weiter ging es mit Stephanie Riedlers (KB Augsburg) Blick auf die Autobahnen. Die gefühlte Dauerbaustelle Deutschland sei nicht nur ein subjektiver Eindruck. Sie zeigte auf, wie sich Zustand, Engpässe und Modernisierungsdruck tatsächlich darstellen und was alle Beteiligten beitragen können, um schneller in die Umsetzung zu kommen. Professionelles Projektmanagement sei dabei ein entscheidender Hebel, um die Mittel aus dem Infrastrukturpaket dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden.

Maria Christin Ludwig (BLB Brandenburg) berichtete aus der Bundesbauverwaltung und ihren laufenden Veränderungsprozessen – und startete mit einer klaren Botschaft: Externe Projektsteuerer seien wertvolle Partner, müssten aber noch besser verstehen, wie öffentliche Auftraggeber arbeiten. Ihre Erfahrungen hätten gezeigt, dass die gestiegenen quantitativen und qualitativen Anforderungen nur mit einer konsequenten Weiterentwicklung von Management und Steuerung effizient und konfliktarm bewältigt werden können. Besonders die hohen technischen, sicherheitsrelevanten und nachhaltigkeitsbezogenen Anforderungen des Bundes machen eine Modernisierung der Verwaltungsabläufe unerlässlich. Ihre Beispiele aus Bundeswehr-, Bundespolizei- und Behördenbauten zeigten, wie anspruchsvoll und gleichzeitig wie notwendig dieser Wandel ist.

„Was sagt der Gralla dazu?“

Im Anschluss folgte das Panel „Zwischen Krise und Auftragsflut – Wo steht die Baubranche wirklich?“. Unter der Moderation von Kristina zur Mühlen diskutierten Remus Grolle-Hüging, Prof. Dr.-Ing. Matthias Jacob und Maria Christin Ludwig darüber, wie Auftraggeber- und Auftragnehmerseite in Zeiten politischer Unsicherheit und Investitionsdrucks besser zusammenfinden können. Besonders lebendig wurde der Austausch durch die Einbindung des Publikums: Über Live-Umfragen und einen QR-Code konnten die Teilnehmer ihre Einschätzungen abgeben und Fragen stellen, die direkt in die Diskussion einflossen. So entstand ein ungewöhnlich offener und ehrlicher Dialog über Erwartungen, Verantwortung und Zusammenarbeit. Was Prof. Dr. Mike Gralla dazu sagt, konnte leider nicht abschließend geklärt werden.

Zum Abschluss nahm Steffen Hantschick (DB InfraGO) das Publikum mit in die Welt der Deutschen Bahn. Mehr Mittel vom Bund bedeuten mehr Baustellen, gleichzeitig sollen mehr Verkehre auf die Schiene. Um dies zu lösen, brauche es neue Planungs- und Realisierungsansätze sowie eine Neuausrichtung des Projektmanagements.

Wir sagen Danke und bis zum nächsten Mal

Die DVP-Tagung 2025 zeigte eindrücklich, wie stark Projektmanagement heute an den Schnittstellen zwischen Politik, Verwaltung, Planung und Betrieb wirkt.

Anstelle von Resignation überwog in Berlin der Gestaltungswille: Wie können wir mit weniger Personal mehr Projekte stemmen, ohne an Qualität zu verlieren? Welche Methoden und Strukturen braucht es für diesen Kulturwandel? Und wie weit kann uns digitale Unterstützung, etwa durch Künstliche Intelligenz, tatsächlich tragen? Diese Fragen zogen sich durch die Diskussionen und machten deutlich, dass Bauprojektmanagement in einer krisengebeutelten Zeit nicht nur Steuerung, sondern auch Zukunftsgestaltung bedeutet. Und: Dass die anstehenden Aufgaben nur gemeinsam bewältigt werden können.

Wir bedanken uns bei allen Speakern, Teilnehmern, Ausstellern und Mitwirkenden für den intensiven Austausch und die lebendige Tagung im dbb forum Berlin. Wir freuen uns auf die Fortsetzung des Dialogs im Mai beim DVP-Kongress in Hamburg – save the date!

Mehr zu diesem thema

DVP liest!

Projektmanagement lesen, verstehen, anwenden: Wir haben unseren DVP-Shop erweitert!Als Projektmanager lernt man nie aus! Fachliteratur kann dabei helfen, Inhalte zu vertiefen und...

mehr lesen
Warenkorb
Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner